Wozu eine Landesarbeitsgemeinschaft Schulbibliotheken?

Die LAG ist ein gemeinnütziger Verein, zu dem sich Lehrerinnen, Lehrer, Eltern, Bibliothekarinnen, Bibliothekare und Schulen mit Bibliothek / Mediothek zusammengeschlossen haben. Ihr Ziel ist die Stärkung und Weiterentwicklung der Schulbibliotheken. Sie setzt sich insbesondere für das Schulbibliothekswesen und die Leseförderung in Hessen ein, führt Projekte durch und unterstützt die Mitglieder mit Information und Beratung.

 

Die LAG wurde 1987 gegründet. Sie führt die Fortbildungsveranstaltung "Hessischer Schulbibliothekstag" durch, hat den Preis "Schulbibliothek des Jahres" gestiftet, entwirft Projekte, gibt Broschüren heraus und berät Schulen und Schulverwaltung.

 

Wir sind davon überzeugt, dass die Schulbibliothek der Motor für guten Unterricht ist.

Die Geschichte der Landesarbeitsgemeinschaft Schulbibliotheken in 13 Folien - Vortrag von G. Brée auf dem 22. Schulbibliothekstag in Bad Vilbel:

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Aus der Geschichte der LAG

Als sich im Herbst 1986 zwei hessische Lehrer auf einer Tagung in der Mediothek des Gütersloher Evangelisch-Stiftischen Gymnasiums kennen lernen und beschließen, zukünftig Kontakt zu halten, konnte man das noch für Tagungseuphorie halten. Man geht beflügelt auseinander und wird alsbald vom Alltag überrannt. Aber das geschah diesmal nicht. Die AG, später die LAG Schulbibliotheken in Hessen, entsteht. Ein erstes überregionales Treffen führte 1987 über 30 Lehrerinnen und Lehrer, die in ihren Schulen für die Bücherei aktiv waren, zusammen. Nicht ganz zwanzig Jahre später kämen zum Hessischen Schulbibliothekstag über 500 Teilnehmer/innen, wenn nicht die Anmeldung wegen Überfüllung schon bei 400 geschlossen worden wäre. Der Tag ist die hessische Fortbildungsveranstaltung für Schulbibliotheksthemen und auch bundesweit ist er Unikat. Es gibt wechselnde Schwerpunkte, etwa 30 Seminare zur Leseförderung oder zu pädagogischer Nutzung, zu Neuen Medien und zu Organisationsfragen, sowie Infostände, Referate und Lesungen. Kontinuierlich teilnehmende Gäste machen dabei eine Rundreise durch hessische Schulbibliotheken. Jedes Mal ist eine andere Schule Gastgeber. Sie hat an diesem Tag Gelegenheit, ihre Bibliothek den regionalen Entscheidungsträger/innen in Schulaufsicht, Schulverwaltung und Kommunalpolitik zu präsentieren. Abschluss des Tages ist die Verleihung eines Preises für Leseförderung, das „Hessische Bücherschränkchen“. Die erste preiswürdige Idee 1996 war ein Leseteppich, der immer dann ausgerollt wird, wenn es Lese-Aktivitäten gibt. Zweiter Preisträger war ein Musiklehrer, der mit seiner Klasse fetzige Leselieder schreibt und singt. Die von den Workshops des Tages erschöpften Teilnehmerinnen und Teilnehmer traten beschwingt singend und pfeifend die Heimreise an und die Preisträgerklasse steht am Beginn einer Tournee durch Hessen. Nicht zu vergessen: In dem überreichten Miniaturbücherschrank steckt ein Büchergutschein im Werte von 500€. Im hessischen Lehrerfortbildungsinstitut konnten Lehrgänge zu Schulbibliotheksthemen realisiert werden. Die Leitung des Instituts öffnete diese Lehrgänge allen in Schulbibliotheken mitarbeitenden Personen, also auch Eltern, Verwaltungsangestellten und Bibliothekarinnen. Zwanzig Wochenlehrgänge fanden bis zur Beendigung der zentralen hessischen Lehrerfortbildung statt. Die LAG entwickelte ein Weiterbildungskonzept „Pädagogische Nutzung von Schulbibliotheken“ vor, einen zweijähriger Kurs, in dem Qualifikationen in für Schulbibliotheken wichtigen Bereichen wie Neue Medien, AV-Medien, Leseförderung und Lernort Schulbibliothek erworben werden können. Anregungen dazu kommen aus Dänemark, dessen Schulbibliotheken ein hessischer Lehrgang besucht hat und aus Südtirol, wo Referenten der LAG an der dortigen Bibliothekslehrerausbildung mitwirkten. Eine Umsetzung steht leider noch aus. Die neue Regierungskoalition von 1991 versprach eine Verbesserung der Beratung der Schulbibliotheken. Nachdem alle unsere hochfliegenden Pläne (flächendeckende schulbibliothekarische Arbeitsstellen oder mindestens eine Landeszentrale für Schulbibliotheken) gescheitert waren, blieb der Vorschlag einer fahrbaren Beratungsstelle übrig. Das Kultusministerium entwickelte daraus das Kulturmobil, eine mobile Fortbildungseinrichtung für kulturelle Praxis. Schulen können das Fahrzeug und sein Programmangebot abrufen. Für die Schulbibliotheksberatung war die Einbindung in die Strukturen der kulturellen Praxis allerdings eine Einengung, durch die sie ihren vielfältigen Aufgaben im außerkünstlerischen Bereich zunehmend nicht mehr nachkommen konnte. Stattdessen gibt es heute das Projektbüro Schulbibliotheken und Mediotheken im Staatlichen Schulamt Gießen. Der Wunsch, die informelle AG für Schulbibliotheken von 1987 in eine Organisation nach deutschem Vereinsrecht zu überführen, führte 1992 zur Gründung der Landesarbeitsgemeinschaft Schulbibliotheken in Hessen e. V. (LAG). Der Verein ist das „Spielbein“ geworden, mit dem Lehrer außerhalb der Dienstwege aktiv werden konnten. Zu Podiumsdiskussionen kamen Bildungspolitiker/innen, zu einigen entwickelte sich ein kontinuierlicher Gesprächskontakt, aus dem mehrere ausführliche Landtagsanfragen zum Stand des hessischen Schulbibliothekswesens resul­tierten. Das Kultusministerium war von Anfang an aufgeschlossen, es entstand eine vertrauensvolle Kooperation. Immerhin ist es das einzige deutsche Kultusministerium, das einen Referenten für Schulbibliotheken hat! Nach jahrelanger Lektüre von Pflichtenheften und Erfahrungsberichten war 1993 die Einführung der EDV-Landeslizenz für das einfache und preisgünstige österreichische Bibliotheksprogramm LITTERA das, was Alexander der Große mit dem gordischen Knoten gemacht hatte. Eine Version von LITTERA entstand nach hessischen Wünschen. Unterstützt von der eigens eingerichteten „Servicestelle EDV in Schulbibliotheken“ wird das Programm Lehrbuchsammlungen, Schulbibliotheken, Instituts- und Seminarbüchereien gegen eine geringe Gebühr zur Verfügung gestellt. Inzwischen nutzt es fast die Hälfte aller hessischen Schulen. Die hessische LITTERA-Version wurde inzwischen in den österreichischen Schulbibliotheken eingeführt! Ein weiteres, nicht minder erfolgreiches Projekt der LAG ist seit 1992 die „Bibliothek in der Kiste“ (beendet 2012), Handapparate zu interessanten Themen, aufbewahrt in praktischen und hübsch anzusehenden Holzschränkchen. In über 1000 Klassen und Schulbibliotheken standen die Schränkchen schon, auch schon im Foyer des Hessischen Landtags, in der Frankfurter Paulskirche und auf der Buchmesse. Die Literaturlisten werden als Bestandsaufbauhilfe benutzt. Schon Anfang der 90er Jahre, lange vor dem PISA-Schock, machten die Bibliothekslehrer der LAG auf Defizite von Schülern bei der Informationsentnahme aus Texten aufmerksam. Ein Schwerpunkt der Fortbildungs- und Beratungsangebote wurde das, was später information literacy genannt wurde, vereinfacht gesagt, das Training von Arbeitstechniken im Umgang mit Sachbüchern. Da kam das Internet gerade richtig. Das Ministerium war 1996 bereit gewesen, unser Projekt „Internetnutzung in der Schulbibliothek“ anteilig zu finanzieren und reichte es bei der Bund-Länder-Kommission für Bildungsplanung und Forschungsförderung ein. Gutachter des Bundeswissenschaftsministeriums lehnten die Förderung ab, mit dem bemerkenswerten Argument, das gäbe es alles schon. Wer die deutsche bildungspolitische Diskussion um das Internet verfolgt, wird Mühe haben, in diesem Zusammenhang auf den Begriff „Schulbibliothek“ zu stoßen. Da ist vor allem von Computerräumen und Medienecken, die Rede. Ganz anders als etwa in USA oder Kanada. Bill Gates denkt sofort an Schulbibliotheken, wenn vom Internet in der Schule die Rede ist und spendet Millionen Dollar. Undenkbar, dass einflussreiche deutsche Führungskräfte so reden und handeln. Aber auch für die eigene Kommunikation nutzt die LAG das Internet. Nach vergeblichem Warten auf eine Initiative der nationalen „Arbeitsstelle für Schulbibliotheken“, die in den 60ern von dem Germanisten Prof. Doderer ins Leben gerufen worden war, ging die LAG 1997 mit einer Homepage und einer mailing list online. Die Arbeitsstelle gibt es heute nicht mehr. Die LAG hatte sich noch vergeblich bei der Stiftung Lesen und der Kultusministerkonferenz für eine Weiterexistenz eingesetzt, obwohl der Leiter dieser Arbeitsstelle der LAG einen frühen Tod vorausgesagt hatte. Dank des Internets und seiner Suchmaschinen erhält die LAG Anfragen, u.a. aus Libanon, Korea und Taiwan. LAG-Referenten wurden nach Österreich, in die Schweiz, in die neuen Bundesländer, eingeladen. Die Stiftung Lesen reicht Anfragen Schul­bib­liotheken betreffend, gerne nach Hessen weiter. Zum Weltschulbibliotheksverband IASL und zu Kolleginnen und Kollegen in der EU bestehen freundschaftliche Kontakte. Lange war die LAG Ansprechpartner, wenn es um Informationen zu Deutschland ging. Inzwischen hat der Deutsche Bibliotheksverband e.V., die Interessenvertretung der Bibliothekare an öffentlichen Bibliotheken, nach langen Jahren der Abstinenz wieder, wie in den 60er Jahren schon einmal, Interesse an Schulen und auch Schulbibliotheken („Bibliotheken als Bildungspartner“), was der LAG erlaubt, sich wieder mehr auf ihre regionalen Kernaufgaben zu konzentrieren. Sie ist immerhin seit 20 Jahren die einzige deutsche Landesarbeitsgemeinschaft mit dreistelliger Mitgliederzahl, national und international ausstrahlenden Aktivitäten und Publikationen geblieben. (In Thüringen wird ein staatlicher Beirat für Schulbibliotheken LAG genannt. In Nordrhein-Westfalen soll es eine LAG geben. Ihr mangelt es aber wohl an Ansprechpartnern. Wir haben den Versuch einer Kontaktaufnahme abgebrochen.) Eine stärkere Verankerung des Schulbibliothekswesens im Schulbereich, in den Einrichtungen, die Schulen beraten und unterstützen sollen, ist trotz mehrjähriger Intervention und Mitarbeit in vielen Planungsgruppen nicht erreicht worden. Das schulische Unterstützungssystem tut sich schwer mit der Schulbibliothek. Aktuelles Beispiel ist die Offensive zur Lesekompetenz der 15 hessischen Schulämter. Schulbibliotheken sind in die Arbeit der Planungs-, Projekt- und Koordinationsgruppen nur dort einbezogen, wo es persönliche Kontakte zu LAG-Mitgliedern gibt. Warum das so ist, lässt sich historisch erklären. Das Schulbibliothekswesen hatte im Nachkriegsdeutschland keine Entwicklungschance, nicht in den „fetten“ Wirtschaftswunderjahren und nicht in den Bildungsreformjahren. Schulbibliothek ist für Bildungspolitiker/innen und für Lehrer/innen kein großes Thema gewesen. Sie selbst sind damit nicht aufgewachsen. Die prägende Wirkung blieb aus. In welchem deutschen Jugendbuch kommt die Schul- oder die öffentliche Bibliothek vor? Man vergleiche mit amerikanischer Jugendliteratur! Der Verfasser erinnert sich auch daran, dass die zweite von ihm ins Leben gerufene Schulbibliothek sofort von der Leiterin der Video-AG, gleichzeitig Fachsprecherin Deutsch, als 'location' für eine Prügelei genutzt wurde. Natürlich mit auf dem Boden liegenden Büchern und Regalen. Auch die Zuordnung des gesamten Bibliothekswesens zur kommunalen Selbstverwaltung und nicht zum staatlichen Schulwesen war ein Hindernis. Auch hier gibt es eine Erinnerung: Als der Verfasser einen Schulbibliothekslehrgang vorbereitete, rief er im Sekretariat einer Schule an, die in ihren Räumen eine kombinierte Stadtteil- und Schulbibliothek beherbergt. Er bat die Sekretärin, ihn mit der Bibliothek zu verbinden. Ein Haustelefon gab es gar nicht, die Telefonnummer der Bibliothek kannte die Sekretärin nicht. Der Anruf war nur über die Vermittlung der Stadtverwaltung möglich. Fast jede Schule hat immerhin eine kleine Leihbücherei, in der man nach dem Unterricht - sofern geöffnet - ein Buch ausleiht. Auf die Bücherei greift die Schulleitung in Pressemitteilungen gerne zurück, ansonsten stört sie den Schulbetrieb nicht weiter. Vorherrschend ist ein verkümmertes Schulbibliotheksbewusstsein. Markenzeichen der LAG ist ein pragmatisches Konzept, das sich hinter zwei Begriffen verbirgt: Die „Bibliothek von unten“ und die „aktive Schulbibliothek“ Auf Anregung der LAG hatte das Kultusministerium schon 1989 von einer Kommission einen Plan zur Einrichtung schulbibliothekarischer Arbeitsstellen in allen Landkreisen erarbeitet. Es gelang leider nicht, das für öffentliche Büchereien zuständige Wissenschaftsministerium und den Hessischen Landkreistag dafür zu gewinnen. „Bibliothek von unten“ meint daher den Ansatz, unter Aufbietung aller schulischen Ressourcen zu einer Schulbibliothek zu kommen, ohne darauf zu warten, dass der Schulträger seiner gesetzlichen Verpflichtung nachkommt. Das passt inzwischen nahtlos in die hessische Bildungspolitik, die Schulen eine begrenzte Autonomie gewährt, sie zur Öffnung zum Umfeld auffordert und zur Ausarbeitung ihres jeweils besonders akzentuierten Erziehungs- und Bildungsauftrages anhält. Die hessischen Bibliothekslehre­rinnen und -lehrer sowie ihre Mitstreiter/innen in der Elternschaft haben inzwischen gelernt, das Instrumentarium innerschulischer Konferenz-, Haushalts- und Führungs­vorschriften zu nutzen. Dann wirkt auch der Ansteckungsfaktor: Allein im direkten Umfeld der von den Vorstandsmitgliedern der LAG gegründeten Schulbibliotheken entstanden weitere. Es gibt Landkreise, in denen jede Schule, dank des Engagements von Eltern und Lehrkräften eine ansehnliche Bücherei besitzt. Das Projektbüro Schulbibliotheken hat Dutzende von Bibliotheksgründungen begleitet. Die Ansteckung wirkt sogar über den schulischen Bereich hinaus: Eine Kommune übernahm den Vorschlag, eine städtische Leseförderung als Bindeglied zwischen Stadtbücherei und Schulen zu gründen, fand eine hervorragend geeignete Person und bekam einen Preis des Wissenschaftsministeriums. Eine andere Kommune vertraute ihre städtische Bücherei der Schulbibliothek an. Die Schließung einer Kreisbücherei wurde durch den Vorschlag verhindert, sie als zentrale Mediothek und schulbibliothekarische Arbeitsstel­le zu erhalten.   „Die aktive Schulbibliothek“ meint eine Bibliothek, die nicht auf die Nutzer/innen wartet, sondern im Schulalltag sichtbar ist und sich auf den Weg von der Randlage zum „Herzen“ der Schule macht. Sie hat ein Arbeitsprogramm, das Teil des Schulprogramms ist, sie wird, wie die gesamte Schule, von Schulinspektoren evaluiert. (Schließlich kostet sie Geld.) Wir sehen uns in unserem seit zwei Jahrzehnten verfolgten Konzept von amerikanischen Studien bestätigt (Colorado-Studie, Ohio-Studie), die nach Untersuchung tausender Schulbibliotheken ganz klar bestätigen, dass es vor allem von der Kompetenz und dem Engagement der teacher-librarian abhängt, ob die Schulgemeinde die Bibliothek als wichtigen Lernort ansieht oder nicht. Die Leitung der Schulbibliothek wurde früher nicht immer den Aktivsten und Engagiertesten anvertraut. Genau diese Eigenschaften sind aber für eine erfolgreiche Schulbibliotheksleitung nötig. Teilnehmerinnen und Teilnehmer der LAG-Lehrgänge wehrten erst einmal ab, wenn ihnen zugemutet wurde, Videoclips übers Lesen zu drehen, ein Lesefest zu initiieren, Arbeitstechniken für den Umgang mit Sachbüchern zu trainieren, Unterrichtsvorschläge ins Lehrerzimmer zu tragen oder den Eltern einen Bücherzettel für Weihnachten zu schreiben. Die Schulbibliothek bietet in Zusammenarbeit mit den Fachlehrkräften Leseförderungsideen, Lesetraining, Leselisten für Europaschulen, Lektüren für den Fremdsprachenunterricht, Mitwirkung bei der Mittagsbetreuung, Jugendbücher für den Deutschunterricht, Recherche im Internet und in Sachbüchern, Medienerziehung durch „Medienmix“ im Bestand, Präsentation von Referaten und Gruppenarbeiten in der Bibliothek, Anregungen für Hochbegabte und Unterstützung für Seiteneinsteiger mit Migrationshintergrund. Die Erfahrung lehrt, dass eine aktive Schulbibliothek von mehreren Seiten Förderung erfährt. Und das Ziel ist erreicht, wenn auf die Frage: „Was wäre, wenn die Bibliothek ab kommendem Montag geschlossen bliebe?“ die Antwort lautet: „Dann bräche der Schulbetrieb zusammen!“ Gewiss ist das überspitzt, aber die Botschaft kommt an. Die Klammer die beide Grundsätze verbindet: Die Schulbibliothek ist eine pädagogische Einrichtung. Die LAG leistet vor allem auch „Bewusstseinsarbeit“. Sie bringt die Bibliothek in die Köpfe der Lehrer/innen, Schulleiter/innen, Schulrät/innen, Ministerialreferent/innen und Dezernent/innen. Unzählige Gespräche, Anträge, Briefe und Leserbriefe waren und sind dafür notwendig. Zu den Selbstverständlichkeiten zählt eine aktive, gut ausgestattete, multimediale Bibliothek in deutschen Schulen nicht. Ein ermutigendes Zeichen für den Bewusstseinswandel: Das Kultusministerium verschickt hin und wieder ein Buch an seine 2.000 Schulen, mit der Bitte, es in der Bücherei oder Lehrerbücherei zu inventarisieren. Vor einiger Zeit traf ein lesenswertes Bändchen über Schule in den allerersten Nachkriegsjahren ein. Mit der Bitte, es in der Schulbibliothek(!) zu inventarisieren. Wie geht es weiter? Trotz mehr Sensibilität, trotz einzelner Erfolge, eine Institutionalisierung des Schulbibliothekswesens, eine rechtliche Absicherung, das alles liegt in weiter Ferne. Der Abstand zu Schulbibliothekssystemen in anderen Staaten wächst. Die Schulen des Landes wären autonom, so wird gesagt. Wenn die wollen, könnten sie sich ja eine Bibliothek einrichten. Privatschulen besitzen in der Regel gute Schulbibliotheken, auch die staatliche Vorzeigeschule für Hochbegabte, Schloss Hansenberg, hat eine Bibliothek und zwei Bibliothekarinnen. (Es tröstet nur wenig, dass man sich von der LAG beraten ließ.) Das Land Brandenburg verpflichtet seine Schulen lediglich, die Schüler bisweilen in die öffentliche Bücherei zu schicken. Ein Modell, das den Schulträgern zu gefallen scheint.Der Deutsche Bibliotheksverband e.V., die Interessenvertretung der Öffentlichen Bibliothekare, hat nach Jahrzehnten der Abstinenz die Schulen und Schulbibliotheken wiederentdeckt und schließt mit den Kultusministerien der Länder Kooperationsvereinbarungen ab, in denen steht, dass die Schulen mit einer Bücherei in der Umgebung kooperieren sollen. Man weiß nicht recht, ob es wirklich um Schulbibliotheken geht oder darum, die Bildungshaushalte der Länder für die notleidenden öffentlichen Büchereien zu öffnen.Die LAG hat sich von Anfang an um die (wenigen) Bibliothekarinnen und Verwaltungsangestellten in hessischen Schulbibliotheken bemüht, und die Mitgliedschaft etlicher Bibliothekarinnen wird geschätzt. Generell stehen sich in Deutschland Bibliothekare und Lehrer aber reserviert gegenüber. Die Pädagogen nutzten die Angebote nicht, machten keine Vorschläge, kämen nicht in die Bibliothek, so die Klagen der Bibliothekare. Bibliothekare sehen die Schulbibliothek nicht als pädagogische Einrichtung, nicht als Teil von Schule und Unterricht, sondern als Spezialbibliothek, für die vor allem bibliotheksfachliche Gesichtspunkte zu gelten hätten, am besten gleich als „exterritorialer“ Sektor, als notenfreier Raum. Trotz hervorragender Beispiele engagierter Bibliothekarinnen oder Bibliotheksassistentinnen gelingen mit diesem Ansatz selten eine Integration in das System Schule und eine intensive Zusammenarbeit mit den Fachlehrkräften. Und selten nur bekommt die Bibliothekarin den Schlüssel zum Lehrerzimmer.Das Berufsbild des „teacher-librarian“ gibt es in Deutschland nicht. Teacher-librarians sind für die pädagogische Nutzung der Bibliothek und das Wissensmanagement der Schule verantwortlich, für die Organisation der Bibliothek, für die Zusammenarbeit mit dem Kollegium und für den Lernerfolg der Schüler in der Bibliothek. Ein Berufsbild, das international verbreitet ist. Leider nicht in Deutschland. Bibliotheksfachliche Kompetenz wird in den (überwiegend fehlenden) überregionalen Unterstützungssystemen gebraucht, auch in großen Schulen wie den Beruflichen Schulen und Schulzentren. Das wären allein in Hessen zwischen 20 und 60 Stellen. Träume bibliothekarischer Verbandsfunktionäre von 35000 Stellen in deutschen Schulen, wie sie in den 60er Jahren geträumt wurden, sind Schäume geblieben. Für die LAG bedeutet das: Weitermachen wie bisher. Es wird bei dem „Trampelpfad“ bleiben, der „Schulbibliothek von unten“.


LAG in Kurzform Vorsitzender: Hans-Günther Brée
250 Mitglieder, davon 170 Schulen
Die LAG ist Kooperationspartner der Hessischen Landesbibliothek Wiesbaden im „Forum:Schulbibliothek“.
Die LAG ist Mitglied bei ENSIL, dem Verband europäischer Schulbibliotheken
Projekte:
Hessischer Schulbibliothekstag,
Fortbildungskongress
Landeslizenz LITTERAwindows, Bibliothekssoftware
Web-OPAC, hessische Schulbibliothekskataloge im Internet
Beratung von Schulen,
Fortbildungsangebote
Publikationen (u.a. die Jubiläumsbroschüre zum 20jährigen Bestehen „LAG-Bausteine“)
Die Bibliothek in der Kiste, Bücherkistenausleihe für Schulen (beendet 2012)
hids, mailing list hessischer Schulbibliotheken (beendet 2012) wurde ersetzt durch den Newsletter ab 2013
LAG-Homepage
EDV-Servicestelle für Schulbibliotheken (Eine Einrichtung des Kultusministeriums)
LITTERA-Info
 und Hessen-OPAC sowie das Projektbüro Schulbibliotheken und Mediotheken (Eine Einrichtung des Kultusministeriums)
Der Verfasser ist Gründungs- und jetzt Ehrenvorsitzender der LAG
Anschrift: Günter Schlamp, Gregor-Mendel-Str. 14, 14469 Potsdam

E-Mail: gs@schulbibliotheken.de