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Liebe Kolleginnen und Kollegen,
zum Beginn des neuen Schuljahres erscheint ein Buch, das unter die Haut geht
:

„Der Junge im gestreiften Pyjama“ von John Boyne Fischer-Verlag, 266 S.,13,90 €

Auch als Hörbuch!! (19,95)

John Boyne ist ein angesehener irischer Autor. Er schreibt zum ersten Mal ein Kinderbuch. Und wird dafür mit Preisen überhäuft. Es gilt als das beste Buch, das er bisher geschrieben hat.
In „Der Junge im gestreiften Pyjama“ steht ein Neunjähriger im Mittelpunkt, Bruno. Sein Vater macht Karriere. Deswegen müssen sie aus Berlin wegziehen Der Furor, so glaubt der Kleine zu verstehen, schickt den Vater mitsamt Familie nach Aus-Wisch.
Es gefällt ihm dort überhaupt nicht, er sehnt sich nach Berlin zurück. Vor allem das Geschehen hinter dem großen Zaun bleibt ihm ein Rätsel. Alle dort, Männer, Frauen und Kinder, tragen gestreifte Pyjamas. Die Soldaten dort lachen laut, die Pyjama-Leute scheinen immer traurig zu sein. Es sind viele und nie ist einer zum Abendessen zu Gast. Bruno macht sich so seine Gedanken, über seinen Vater, seine Mutter, seine Großmutter, die böse Worte über die Karriere des Vaters gefunden hat. Er kann sich keinen Reim auf das Geschehen jenseits des Zaunes machen, er ahnt, dass nicht alles gut ist.
Eines Tages trifft er an einer entlegenen Stelle auf der anderen Seite des Zaunes einen abgemagerten Jungen im gestreiften Pyjama, Schmuel, der wundersamerweise am selben Tag Geburtstag hat wie Bruno und den das Leben in Aus-wisch genauso unglücklich zu machen scheint wie ihn selbst. Schmuel erzählt ihm seine Geschichte. Bruno will mehr erfahren über das Leben jenseits des Zaunes. „Wann esst Ihr zu Abend?“ fragt er Schmuel.
Der Vater schickt die Familie wieder nach Berlin. Bruno und seine Schwester fühlen sich nicht wohl in Aus-Wisch, die Mutter hat ein Techtelmechtel mit einem flotten jungen Soldaten.
Bruno will sich noch in ein letztes Abenteuer stürzen und Schmuel auf der anderen Seite des Zaunes bei der Suche nach dessen verschwundenem Vater zu helfen. Durch ein Loch im Zaun und mit einem von Schmuel beschafften gestreiften Pyjama gelingt der Plan. Bruno ist ernüchtert, da gibt es keine Obststände und kein kleines Café, was er erwartet hatte, nur lachende, grölende Soldaten und stoisch blickende, abgemagerte Menschen in gestreiften Pyjamas. „Ich glaube, ich sollte zurückgehen“, sagt Bruno. Dann geraten die beiden in eine Razzia und werden zusammen mit anderen durch Schlamm und bei Regen zu einer Halle getrieben ...

Das Buch ist die Annäherung an ein Vernichtungslager aus der Perspektive eines ahnungslosen neunjährigen Mitgliedes einer Täterfamilie. Es erinnert an die Bücher von Niklas Frank, der ein Leben lang davon umgetrieben wird, dass er als Kind auf der Krakauer Burg ein unbeschwertes Leben als Sohn führte, während in den Straßen die Menschen zusammengetrieben und abtransportiert wurden und seine Eltern sich schamlos bereicherten.
Man sollte absehen von dem etwas kitschigen Besuch des Furors und seiner schönen blonden Begleiterin bei Brunos Eltern. Die Blondine redet sogar freundlich mit ihm. Auch Sprach- und Reflexionsniveau eines Neunjährigen werden nicht immer durchgehalten. Bruno redet manchmal sehr elaboriert.
Aber: Die Erzählung, vor allem der Schluss, geht unter die Haut.

Ich halte das Buch für gut einsetzbar im Zusammenhang mit dem Thema Holocaust. Man kann damit einsteigen, man kann es abschließend lesen (auch:
vorlesen!). Es lassen sich alle Aspekte des Massenmordes (inklusive der Karrierechancen für Täter und Mitläufer) daraus ableiten.

Mit freundlichen Grüßen

Günter Schlamp

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