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Zur Lage der Schulbibliotheken in Deutschland
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Die Entwicklung der Schulbibliotheken ist von vielen Schwankungen begleitet. Sie ist seit den 60er Jahren dem kommunalen Büchereiwesen
zugeordnet. In den 70er Jahren kam es zur Gründung vieler moderner Schulbibliotheken, oft im Organisationsverbund mit einer
Stadt- oder Gemeindebibliothek. Später ergriffen mehr und mehr die Schulen selbst die Initiative und bauten in Eigenregie ihre
Schulbibliotheken auf. Die Ursache für diesen Wandel der Entwicklung liegt u.a. im Fehlen eines umfassenden, gemeinsamen Konzepts. Von den etwa 43.000 allgemeinbildenden und 9.000 berufsbildenden Schulen haben nur wenige eine bibliotheksfachlichen Standards
entsprechende Schulbibliothek. Es gibt keine Gesetzgebung für Schulbibliotheken, keine anerkannten Standards, keine Finanzierungsrichtlinien.
Während der Staat, die Bundesländer, für das Schulwesen zuständig ist, fällt das Büchereiwesen in die
Zuständigkeit der kommunalen Gebietskörperschaften. Da es zudem nicht zu den kommunalen Pflichtaufgaben gehört, bringen
die Schulträger die für Schulbibliotheken notwendigen finanziellen, räumlichen und personellen Ressourcen nur selten auf. Am ehesten sind es noch die Gymnasien, in denen Schulbibliotheken eingerichtet werden, gelegentlich auch Gesamtschulen. Eine
Häufung dieser Einrichtungen ist in Nordrhein-Westfalen (bes. Köln, Oberhausen, Siegen), in Niedersachsen, in Rheinland-Pfalz,
in dem Gebiet zwischen Mannheim und Stuttgart, sowie im Umland von München festzustellen. Aber auch in Sachsen-Anhalt hat sich viel getan. Mehr als die Hälfte der deutschen Schulen hat immerhin eine Büchersammlung zur Unterstützung des Lesens im Rahmen des Deutschunterrichts oder eine Ausleihbücherei, die von Eltern oder Lehrkräften betrieben wird. Leseförderung (Autorenlesungen, Schreibwerkstätten, Jugendbuchlektüre) und das Training von buchbezogenen Arbeitstechniken haben in den
deutschen Schulen in den 90er Jahren einen starken Aufschwung erlebt, ohne dass sich dies auf das Schulbibliothekswesen positiv ausgewirkt hätte.
Ebenso schreitet die Digitalisierung der Schule (Computerräume, Medienecken, Internetzugänge, Verwendung neuer Medien im Unterricht) voran, ohne
dass i. d. R. ein Zusammenhang mit Schulbibliotheken gesehen wird. Derzeit werden verstärkt Fragen nach einer Bewertung der Qualität des Schulunterrichts gestellt sowie nach den pädagogischen Konzepten der
einzelnen Schulen. In diesen Zusammenhängen nimmt das Interesse am Aufbau leistungsfähiger Medieneinrichtungen zu; denn "gute" Schulbibliotheken können
hier mit ihren Produkt- und Serviceangeboten für Unterricht und Erziehung eine wichtige Rolle spielen.
Nicht zuletzt muss eine fehlende Akzeptanz in der Lehrerschaft beobachtet werden: Die geringe Verbreitung fächerübergreifenden, handlungs- und projektorientierten Unterrichts, die Dominanz der Gymnasien im Schulsystem, in denen überwiegend eine akademische Lehrtradition gepflegt wird, das Vorhandensein perfekter Lehrbücher, in denen der Lehrstoff schülergerecht (von Mathematik abgesehen) aufbereitet ist, lassen eine moderne Schulbibliothek als entbehrlich erscheinen.
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| (GS. Stand des Jahres 2000, unter Verwendung eines Textes der dbi-Beratungsstelle für Schulbibliotheken: www.dbi-berlin.de/dbi_ber/schul/schul01b.htm; 25.9.00) |