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Was macht die LAG Schulbibliotheken eigentlich?
Sie gibt neue Impulse für Schulbibliotheken in Deutschland Die Zuständigkeit für Schulbibliotheken liegt in Deutschland nicht in derselben Hand wie die für Schule und Unterricht. Schule ist Sache des Staates. Büchereien sind eine freiwillige Einrichtung der kommunalen Gebietskörperschaften. Schulbibliotheken werden als Teil der öffentlichen Bücherei betrachtet, nicht als Teil der Schule. Da öffentliche Büchereien nicht ausreichend finanziell unterstützt werden, gibt es auch keine zufriedenstellende Schulbibliotheksentwicklung. Im Bundesland Hessen hat eine Gruppe von Lehrerinnen und Lehrern Ende der 80er Jahre damit begonnen, die Stagnation zu überwinden und die Schulbibliothek als pädagogischen Ort neu zu entdecken. Sie startete einige Projekte, die der Schulbibliotheksentwicklung in diesem Bundesland Auftrieb gaben. Diese werden im Text vorgestellt. Die Impulse gehen von einem Verein aus, zu dem vor allem Lehrer, aber auch Bibliothekare und Schülereltern gehören, der Landesarbeitsgemeinschaft (LAG) Schulbibliotheken in Hessen e. V.
Das Konzept der LAG steckt in zwei Formeln: Die Kommunen nehmen, wie gesagt, ihre Zuständigkeit für Schulbibliotheken nur selten wahr und stellen fast nie ausgebildete Bibliothekare ein. Daher sind es beinahe ausschließlich Lehrerinnen und Lehrer, die mit Hilfe von freiwillig mitarbeitenden Eltern ca. 500 Schulbibliotheken (Es gibt 2.000 Schulen) leiten. So besteht aber ein enger Kontakt zu den Kolleginnen und Kollegen im Lehrerzimmer und auch die eigenen, aktuellen Unterrichtserfahrungen helfen, die Bibliothek auf die Bedürfnisse des Unterrichts zuzuschneiden. Die Fortbildung für die mithelfenden Eltern und die Lehrer findet in der staatlichen Lehrerfortbildung statt. Bisher haben ca 300 Personen an solchen Workshops teilgenommen. Themen waren z. B.: Unterricht in der Bibliothek, Lesefeste durchführen, Internetnutzung, Videofilme zur Leseförderung drehen, Besuche in schweizer und dänischen Schulen. Einen positiven Effekt auf die Entstehung von Schulbibliotheken hat das schlechte Abschneiden deutscher Schüler in internationalen Vergleichsstudien (TIMMS, OECD-Studien). Das verunsichert Eltern. Man hielt bisher das hoch selektive deutsche Schulwesen für ausgezeichnet. Die abnehmende Lesefähigkeit beschäftigt sogar die Wirtschaftszeitungen. Auch die neuen Medien werden in die "aktive Schulbibliothek" einbezogen, sei es die Herstellung eigener Videoclips z. B. über Bücher, oder die Nutzung des Internet als ergänzendes Informationsmedium zu den Büchern. Die Schulbibliothek ist der bestgeeignete Standort für Internet in der Schule. Die virtuellen Bibliotheken, die man im Internet finden und für Schülerinnen und Schüler erschließen kann, sind eine Ergänzung zu den real in der Schulbibliothek vorhandenen Informationsquellen. Ich bin sicher, wenn das Internet nicht in die Bibliothek integriert wird, ergeht es ihm wie dem Sprachlabor oder dem Break-Dance: Eine Zeitlang in (Wer hat die schönste homepage? Wer hat den exotischsten email-Partner?), dann allmählich erlahmend ("Was sollen wir die denn fragen? Haben Sie nicht ein Buch, wo das drinsteht, was ich suchen soll? Das Suchen ist ja echt ätzend!). Die "aktive Schulbibliothek" versteht sich nicht nur als Lern-, sondern auch als Kultur- und Kommunikationszentrum der Schule. Die Bibliothek ist Ort für Lesenächte, Schreibwerkstätten und Autorenbesuche und kann auch in den Pausen besucht werden. Die LAG produziert vor allem Ideen. Sie bringt die Schulbibliothek in Verbindung mit vielen schulischen Aufgabengebieten: Leseförderung in der Grundschule, Lesetraining für Schüler der Sekundarstufe, Lektüre für den Fremdsprachenunterricht, Mitwirkung beim Ganztagsangebot und zur Mittagsbetreuung, Jugendbücher für den Deutschunterricht, Medienerziehung. Sie bringt die Schulbibliothek in die Köpfe von Lehrer/innen, Schulleiter/innen, Schulrät/innen, Referent/innen und Dezernent/innen. Unzählige Gespräche, Publikationen, Briefe und Leserbriefe sind dafür notwendig. Zu den lieben Gewohnheiten zählt die Bibliothek in deutschen Schulen nicht. Die Generation der 30 - 50jährigen Lehrer und Politiker kennt sie nicht aus der eigenen Schulzeit und weiß daher nicht wovon die Rede ist. Die LAG führt den zweijährlichen Hessischen Schulbibliothekstag durch. Es gibt wechselnde Themenschwerpunkte, Arbeitsgruppen für Leseförderung oder für organisatorische Fragen und pädagogische Nutzung, Infostände von Schulen und Buchhandlungen, Referate und Lesungen. Kontinuierlich teilnehmende Gäste machen gleichzeitig eine Rundreise durch hessische Schulbibliotheken. Jedes Mal ist nämlich eine andere Schule Gastgeber. Abschluss des Tages ist die Verleihung eines kleinen Preises für gute Ideen in der schulischen Leseförderung, das "Hessische Bücherschränkchen". Eine Idee war ein "Leseteppich", der immer dann ausgerollt wird, wenn es Lese- Aktivitäten gibt. Preisträger war auch ein Musiklehrer, der mit seiner Klasse fetzige Leselieder schreibt und singt. Die LAG hat das Kultusministerium für den Kauf des österreichischen EDV-Programms LITTERAgewinnen können. Es ist in einer nach unseren Vorstellungen geschriebenen Version in Hessen verbreitet. Es wird in über 800 Schulen angewendet. Kein anderes Bundesland hat ein solches Angebot. Das erste Projekt der LAG war die "Die Bibliothek in der Kiste", Handapparate zu interessanten Unterrichtsthemen, aufbewahrt in praktischen und hübsch anzusehenden Holzschränkchen. Die Bücherlisten des Projekts (auf Diskette) sind gleichzeitig Vorschläge für den Buchbestand kleiner Bibliotheken. Solche Kisten haben in Hesssen Tradition. Noch in den zwanziger Jahren dieses Jahrhunderts wurden so Bücher von städtischen Büchereien in die umliegende Dörfern zum Krämer geliefert, zur Buchausleihe während des Einkaufs. Die Schränkchen können ausgeliehen werden. In über 500 Klassen und Schulbibliotheken standen sie schon. Auch das Kulturmobil ging aus einer Idee der LAG hervor. Der "Marsch durch die Institutionen" steht immer noch in den Anfängen. Es fehlt ein Unterstützungssystem für die Schulbibliotheken. Tausende von Arbeitsstunden der freiwilligen Helfer werden vergeudet, weil überall die gleichen Arbeiten und Fehler gemacht werden. Die Mitglieder der LAG, 70 Personen und 130 Schulen, sind aber stolz darauf, durch ihre Arbeit Anregungen zu geben und über Hessen hinaus Beachtung zu finden. Sie unterstützen interessierte Eltern, Schulleiter und Lehrer. Sie hoffen, dass die lokalen und nationalen Verwaltungen erkennen, wie wichtig Schulbibliotheken im 21. Jahrhundert sein werden. G. Schlamp |